Wenn die blaue Plakette für Autos kommt...

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Moderator: Free-sky

Re: Wenn die blaue Plakette für Autos kommt...

Beitragvon Presi » 12.10.2018, 04:34

In Stuttgart war ich mal, ist aber lange her. Es gibt sicher attraktivere Städte.
Liegt eben ungünstig im Tal mit hügeliger Umgebung, was den Luftaustausch erschwert. Gerade bei Winterhochs mit wenig Luftbewegung kommt es zu kritischen Werten.
Überdies ist es die Großstadt mit der höchsten PKW-Dichte, über 600PKW pro tausend Einwohner, das ist trotz Großstadt mehr als der Bundesdurchschnitt (in Großstädten normalerweise deutlich weniger), dazu kommt das Umland. Berlin hat nur gut 300 pro tausend Einwohner, also etwa halb so viele, und ist dennoch voller PKW.
Stuttgart ist eben Autostadt. Aber auch dort gibt es Fußgänger und Radfahrer, Jogger, Kinder, Alte, Kranke. Und die haben einen Anspruch auf Einhaltung der Grenzwerte. Ich schätze, dass man in Stuttgart nicht umhin kommt, das Fahrverbot auch durchzusetzen. Das belgische Modell mit automatischer Kennzeichenerfassung wäre denkbar, widerstrebt aber meiner Überwachungsskepsis.

Wichtiger noch ist dort ein neues Verkehrskonzept, nennen wir es "Stuttgart 2030". Hrhr. Tempo drosseln, also PKW langsamer, Öffis/Rad schneller, sicherer, bequemer, das bewegt zum Umstieg. Oder eben eine City-Maut, bei der aber wieder die bluten, die es nicht so dicke haben.
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Re: Wenn die blaue Plakette für Autos kommt...

Beitragvon Supertyp » 12.10.2018, 07:00

Stuttgart ist durch sein besondere Geografie ein Spezialfall. Berge auf 3 Seiten und eine Hochebene in der 4. Seite erschweren den Luftaustausch deutlich. Wer dort lebt weiß das und findet sich damit ab oder zieht 10km weiter auf die Alb. Alles kein Grund für Hysterie, denn selbst in Stuttgart ist, wie überall in Deutschland die Luft besser als vor 20...30 Jahren.
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Re: Wenn die blaue Plakette für Autos kommt...

Beitragvon Stjopa » 12.10.2018, 09:17

chaosracer » 11.10.2018, 20:47 hat geschrieben:„Stuttgart“. Wart ihr mal in dieser schrecklichen Stadt? Dort ist permanent Stau, alle fahren nur Auto. Dazu ist das Kaff Stern-verseucht, alles voll mit Benzfahrern.

Falsch. Mannheim ist voller Benzfahrer. In Stuttgart fährt man Daimler. :mrgreen:

Ich find Stuttgart (von der Luft im Zentrum abgesehen) übrigens sehr schön.
Eine Stadt dieser Größe mit Quadratkilometern großen Wingerten auf dem Stadtgebiet gibt es in Deutschland sonst wohl nirgends.
Zuletzt geändert von Stjopa am 12.10.2018, 09:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Wenn die blaue Plakette für Autos kommt...

Beitragvon chaosracer » 12.10.2018, 13:33

Ich sag´s ja: Benzfahrer mögen das! ;)

Aber im Ernst, das ist wirklich schlimm da. Was René schreibt, stimmt auch. Das Städtchen liegt im Tal. Vor Jahren hatten die 350.000, nun so rund 600.000 Einwohner. Schwierig, wenn eine Stadt so schnell wächst. Ich sehe das ja gerade in Leipzig. Für die Anwohner ist das nicht schön. Dann: bei etwa gleicher Einwohnerzahl ist Leipzig 30% größer als das Schwabennest. Und: Leipziger fahren Rad!

Ein Freund ist vor kurzem von Leipzig nach Stuttgart umgezogen. Ins Umland natürlich, weil man in der Stadt kaum was findet. Umgezogen ist er nur, weil seine Freundin in L keine Arbeit fand. Er schon, seine war stadtunabhängig. Er würde sofort zurück ziehen, wenn er könnte. Der Arme ist total unzufrieden. Ich hatte ihn gewarnt...

Na ja, als Hesse bin ich wohl da auch nicht so objektiv. Die Hessen nerven mich, weil sie so politisch korrekt sind. Die Schwaben, weil sie es nicht sind. :)
Zuletzt geändert von chaosracer am 12.10.2018, 13:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wenn die blaue Plakette für Autos kommt...

Beitragvon tahelia » 13.10.2018, 06:24

chaosracer » 11.10.2018, 20:47 hat geschrieben:Das passt im Übrigen prima zum aktuellen Zeitgeist: Sündigen, aber nicht beichten, trinken, aber ohne Kopfschmerzen, Drogen, aber nicht süchtig werden. Leben Light – ohne Konsequenzen für sein tun.

„Stuttgart“. Wart ihr mal in dieser schrecklichen Stadt? Dort ist permanent Stau, alle fahren nur Auto. Dazu ist das Kaff Stern-verseucht, alles voll mit Benzfahrern. Dort wollen sie saubere Luft. WER bitte will die dort? Keine Sau! Alle fahren doch Auto und die Schornsteine qualmen auch.

Verlogenes, scheinheiliges Deutschland – natürlich glauben die Leute da mal wieder, dass Dumm-Parteien Hilfe bringen.


Ich muss Dir ehrlich sagen, mit so einer Aussage muss ich Dich dann in die Sparte emotional und unsachlich handelnd einsortieren. So pauschal über die Einwohner einer Stadt herzuziehen?.. Hier gibt es eine ganze Menge Fahrradfahrer, und, gemessen an fast 200m Gefälle für viele ist das lobenswert, und nicht fürs ignorieren zugelassen. Klar ist das ein materiell orientierter Scheisshaufen, aber lasse das bitte Stuttgarter feststellen, und woanders furzen sie halt lieber kunstvoller, und das ist auch eine Art von Materialismus, oder gehen auf die Strasse, und skandieren gegen Ausländer, und da müssen wir uns Gott sei Dank keine Scheibe von abschneiden. Denn das mit dem Miteinander klappt bei uns ganz gut. Ich war schon in Mainz und Köln, oder Wolfsburg, und dort geht es nicht so unähnlich mit der besitzenden deutschen Gründlichkeit zu. Bloss sind da halt keine so unverschämt vielen Porsches und Daimler auf der Strasse, stimmt.
Für mich ist jeder, der Auto aus Bequemlichkeit fährt ein Arschloch, und jeder der mehr als 100 PS fährt, gleich zweimal. Mit einem Satz: Die überwältigende Mehrheit der Menschheit besteht für jemand mit einem IQ von über 120 aus dummen Menschen, Arschloch trifft es dann nicht mehr, weil man für jeden Einzelfall exakt herleiten kann, wo es angefangen hat, nämlich bei der nicht beantworteten Frage des dreijährigen bis zum leider nicht gefundenen Ende der Unbeantwortetheit.
Erzähl mir nix über schöne Städte. Ich lach mich tot. Stuttgart hat keine dampfenden Biotope, aus denen dann sowieso keine anständigen Künstler werden, oder laissez faire Ecken, aber, hei, pfeif drauf, ich hoffe nur, unsere Türken sind diszipliniert genug, als Eingreiftrupps durchzuhalten, wenn es dann gegen den rechten Mob geht. Es gibt bei uns in der Gesellschaft eine erschreckend große Gemengemasse aus Nazis, die eine Generation übersprungen haben, und ihr braunes Haupt aus dem Gestein drücken möchten, und die eingetrichterten Parolen aus dem verstaubten Unterbewusstsein spuken hören. Das ist gegenwärtig Deutschlands grösstes Problem, nicht die Ausländer oder Stinkerautos. Das, und lügende Konzernbosse, ja. Ach, und um Deine Frage zu beantworten: Ich will die in S, die saubere Luft, ja. Wir sind ein Schweinehaufen, wobei ich die echten Schweine liebe. Kunststück, die sind ja auch unschuldig. Und doch treffe ich jeden Tag Leute, die mir mit einem Blick sagen, dass sie wissen, woran wir leiden, und dann geht es. Es ist ohne Fehl, wenn sich einer Mühe gibt, etwas besonders gut zu machen. Und das Porsche und Daimler erst mal keine Schlamperautos sind, wird wohl ernsthaft keiner behaupten wollen. Das es mittlerweile auch viele andere gibt, ja klar. Aber die Ecke hier war die erste auf diesem Planeten, wo es los ging. Natürlich fände ich es pfiffig, wenn hier besonders viele mit der Strassenbahn führen. Es wäre zwar nicht sehr naheliegend, aber mittlerweile vernünftig. Einen Vorteil hat die Strambe hier schon: Fahrräder sind umsonst. Cool, oder?
Und aus welchem Almanach hast Du die 350 Tausend? Das ist weit mehr als ein halbes Jahrhundert her, nicht 'einige Jahre'.

Posting automatisch zusammengeführt: 13.10.2018, 06:24

Presi » 12.10.2018, 04:34 hat geschrieben:In Stuttgart war ich mal, ist aber lange her. Es gibt sicher attraktivere Städte.
Liegt eben ungünstig im Tal mit hügeliger Umgebung, was den Luftaustausch erschwert. Gerade bei Winterhochs mit wenig Luftbewegung kommt es zu kritischen Werten.
Überdies ist es die Großstadt mit der höchsten PKW-Dichte, über 600PKW pro tausend Einwohner, das ist trotz Großstadt mehr als der Bundesdurchschnitt (in Großstädten normalerweise deutlich weniger), dazu kommt das Umland. Berlin hat nur gut 300 pro tausend Einwohner, also etwa halb so viele, und ist dennoch voller PKW.
Stuttgart ist eben Autostadt. Aber auch dort gibt es Fußgänger und Radfahrer, Jogger, Kinder, Alte, Kranke. Und die haben einen Anspruch auf Einhaltung der Grenzwerte. Ich schätze, dass man in Stuttgart nicht umhin kommt, das Fahrverbot auch durchzusetzen. Das belgische Modell mit automatischer Kennzeichenerfassung wäre denkbar, widerstrebt aber meiner Überwachungsskepsis.

Wichtiger noch ist dort ein neues Verkehrskonzept, nennen wir es "Stuttgart 2030". Hrhr. Tempo drosseln, also PKW langsamer, Öffis/Rad schneller, sicherer, bequemer, das bewegt zum Umstieg. Oder eben eine City-Maut, bei der aber wieder die bluten, die es nicht so dicke haben.


Das Problem ist ein grundsätzliches, und Dir, und wahrscheinlich allen hier mitlesenden wohlbekannt: Die Macht unserer Politiker erstreckt sich auf einen teilgesicherten Zeitraum von 4 Jahren, die der wirtschaftlichen Gegenspieler ist quasi unbegrenzt, und nur von der Tüchtigkeit, andere zu betrügen abhängig. Der sogenannte Konsens in der Gesellschaft muss mühselig über Jahrzehnte gezüchtet werden, es geht leider nur über Bildung. Und alle paar Jahrzehnte gabs Krieg, um die Verdauung und den Metabolismus anzukurbeln, aber das will heutzutage auch für den Dümmsten nur über unwegbare Gefahren gehen. Na ja, vielleicht beeilen sich die Atlanten des Bruttosozialproduktes ja, und erfinden noch kalkulierbarere taktische Waffen, um da wieder einen Routinebetrieb gewährleisten zu können. Nicht bei uns, Gott bewahre, uns gehts ja gut. Noch. Also konkret: Wenn es den Planern nur wieder einfiele, es machte Spass, großzügig zu erfinden, dann wäre eine Strambe denkbar, in denen man sogar, noch frisch aus dem Bett, mit der Zufallsbekanntschaft vor dem Geschäft beim Frühstück kopulieren könnte, oder auch nicht, auf jeden Fall aber weitaus komfortabler zur Arbeit kommen könnte, als mit dem 50 Tausend Euro Auto. Mir geht dieses somnambule Geschmeiss mittlerweile so auf den Zeiger.. Wir könnten längst ein unterirdisches 100 km/h schnelles Röhrensystem haben, für einen Bruchteil der jetzigen Verkehrsgesamtkosten, nur, wer will da so viel schneller hin, ins Geschäft? Aber, und: Ich fahre ja hier ab und an mit der Strambe, und. Mir sitzt öfter ein eindeutig den höheren Chargen zuzuordnender Gesandter des bezahlten methodischen Tuns gegenüber, mit offenem Blick, zB in die Financial Times, und nicht mit dem missmutigen, verdruckten Gesicht der Müsser. Es könnte schon noch werden. Mensch, echt. Taktzeiten von drei statt fünf Minuten, Züge mit perfekten Bäckereien, mehr Platz, Ohrenklappensessel zum Lesen, Schallgedämpft, die Würde des Passagiers preisend. Ohh, jeez, warum haltet Ihr von Euch so wenig..
Zuletzt geändert von tahelia am 13.10.2018, 23:55, insgesamt 6-mal geändert.
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Re: Wenn die blaue Plakette für Autos kommt...

Beitragvon Presi » 13.10.2018, 08:25

Aus deinen letzten Sätzen lese ich Ideen zur Attraktivitätssteigerung in den Öffis.
Find ich gut, da sieht es nämlich mau aus: Der öffentliche Nahverkehr ist im Prinzip von gestern, er arbeitet fast ausschließlich mit starren Fahrplänen und es gibt keinerlei Komfortdifferenzierung (Fahrklassen), ganz im Gegensatz zum Leben überall sonst. Wenn man mal das Taxi außen vorlässt.
Und er konkurriert mit dem Auto von morgen, sicher, leise, komfortabel, teilautomatisiert, mit Parkplatz am Ziel. Mit Konzepten von gestern gegen die Realität von morgen zu konkurrieren, ist weniger zielführend, als sich solche Gedanken zu machen, wie man auch mit den Öffis individueller, flexibler, komfortabler (v.a. "letzte Meile") unterwegs sein kann. Der neue Rufbus in Berlin, nun ausgeweitet auf 24h - Betrieb, wäre sowas. Aber noch nicht genug.

Ansonsten bekommt man nur die, die keinen Parkplatz haben, sich ein Auto nicht leisten wollen oder können etc. - ein guter Nahverkehr sollte aber immer auch hochattraktiv sein. Dann hat er noch weitaus mehr Potential, dass die Leute ihr Auto stehenlassen.
Gestern früh hatte ich bspw. mein Fahrrad in der Berliner S-Bahn, deren Züge sind leiser als früher, aber im Vergleich zur Regio oder gar ICE irre laut. Diese Bahn aber vibrierte zusätzlich und mein Fahrrad gleich mit und klapperte. Sowas muss nicht sein.
Die Tage davor bin ich Rad gefahren, aber die Strecke ist lang, mind. 18km oneway, Mittwoch bin ich mit bissel Umwegen (Havelchaussee) abends 31km gefahren. Das ist im Indian Summer wunderschön, aber ich habe diese Woche die Verschraubung des hinteren Schutzblechs und die des Frontreflektors verloren, die Piste ist nicht immer eben. Das hält zusätzlich auf. Dazu war fast ein Dooring-Unfall, jemand mit nem SUV, Typ bärtiger Pumper, hat ausgerechnet dort, wo ich den Abstand zum ruhenden Verkehr wegen eines überholenden Busses geringer hielt, die Tür aufgeschmissen. War knapp. 80-90% der Strecke sind aber inzwischen mittel bis gut mit Fahrradwegen und -streifen ausgestattet.

In Stuttgart ist es mit dem Fahrrad noch anstrengender. Wer am Rand oder außerhalb wohnt und drin arbeitet, kann zwar morgens reinrollen, aber abends ist es anstrengend, v.a. in drückenden Sommern unangenehm. Das E-Bike/Pedelec wäre aber sowas, das könnte der Staat noch stärker als Pendlerfahrzeug fördern und v.a. die Diebstahlgefahr von Sonderermittlungsteams verringern. In Potsdam hatten die das und ne (Erinnerung) dreifach so hohe Aufklärungsquote wie Berlin, wurde aber wohl wieder abgeschafft. Mit jedem Auto, v.a. Dieselauto, das ersetzt wird durch (sauberere) Busse, Bahnen, Fahrräder, mache ich die Luft aber viel sauberer, als dass jetzt alte Diesel ein paar Umwege fahren und Seitenstraßen verpesten.

Und ja, es gibt schlimmere Probleme: Die Obdachlose in meiner Straße (hat ja inzwischen doch so mancher so nen Obdachlosen) kann seit einiger Zeit nicht mehr liegen. Die sitzt auch morgens um 5. Eine Nachbarin hat sich rührend gekümmert, hat ihre offenen Beine versorgen lassen (der Geruch!), sie müsste im Krankenhaus bleiben, will aber nicht. Ich befürchte, sie liegt eines Morgens tot da, jetzt, wo es kälter wird. Aber uns geht es in Deutschland doch allen gut, gell? :blink2:
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Re: Wenn die blaue Plakette für Autos kommt...

Beitragvon chaosracer » 13.10.2018, 11:19

Obdachlose? Da musst Du weg schauen, Presi, wie es alle gerne tun. Alle? Nein, da gefällt mir mein Land! Hier tun das wirklich nicht alle.

Ich muss los - später mehr.
chaosracer
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